Seit 2008/2009 benutze ich das „Neo Freerunner“ GTA02 des Openmoko-Projekts als Mobiltelefon. Es unterstützt GPS, Bluetooth, W-LAN, Lagesensoren, GPRS-Internet über GSM, Touchscreen, NAND- und NOR-Flash für zwei Bootloader und 256 MB Systemspeicher, 128 MB RAM, µSD und einen USB-Hostmode (nur der maximale Stromfluss gibt also das Limit – USB-Sticks und Maus sind kein Problem).
Aus der Vielfalt der portierten Linux-Distributionen benutzte ich im Moment Debian auf der SD-Karte mit dem Freesmartphone-Stack und vollem X-Support. Auf dem internen Speicher läuft ein Android.
Vorteile der offenen Hard- und Software sind die Freiheiten, die damals im mobilen Bereich undenkbar waren. Auch das später aufgetauchte Android kann da nicht ganz rankommen. Mal schnell ein AdHoc-LAN aufmachen und per SSH verbinden über USB-LAN sollten auch dort jetzt möglich sein, aber X-Forwarding und unter Debian IP-Forwarding durch iptables einzurichten sind Luxus. Das Openmoko erschien auch vor dem iOS und war Vorreiter für Maemo in der Open-Source-Szene.
So hatte ich eine lange Zeit die Offline-Wikipedia auf meinem Gerät laufen. Navigieren war mit Navit halbwegs benutzbar und der FBReader ließ mich schon viele EPUB-EBooks unterwegs lesen. Die API des FSO-Stacks bietet viele Kontrollmöglichkeiten über die Telefonfunktionen und ist eine Erweiterung zu den normalen Standards des heutigen Linuxdesktops (z.B. sudo und das mögliche Merken der Legitimierung). Suspend verläuft so, wie es unter Debian ist – »Wake up on GSM« oder wie ich es nennen will, hat äußerst gut funktioniert. So wurde zwischen Anrufen und SMS nahezu nichts an Strom verbraucht. Android ist eher oft im Halbschlaf und wacht – bei mir zumindest – zur vollen Stunde auf, um etwaige weitere Aufwachpunkte festzulegen.
Da ich mit dem aktuell in Debian verfügbaren Interface nicht komplett zufrieden bin, hoffe ich etwas auf Tizen und Boot2Gecko. Mein Favorit wäre jedoch ein GNOME Mobile-Interface, welches auf der GNOME Shell basiert… Epiphanys Web-Apps sind da bestimmt auch praktisch. Mit Wayland und Touchmöglichkeiten von GTK könnte das ja noch kommen.
Nachteil des Freerunners ist die immer mehr veraltende Hardware – Grafikbeschleunigung ist fast unmöglich, die CPU langsam und IO ist sowieso fast immer ein Problem.
Diese Probleme zu beheben hat sich eine aus der Openmoko-Community entstandene Gruppe auf die Fahne geschrieben und bietet mit dem GTA04 ein neues Board für das alte Gehäuse. Details hier.